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12.06.2018

Wissenschaftler fordern stärkere Regulierung von Onlineplattformen

Studie des Forschungsprojekts „PeerSharing“ vorgestellt

Sich über privates Carsharing ein Auto zu leihen statt eines zu kaufen, ist ökologisch sinnvoll. Wie aber kann verhindert werden, dass die Carsharing-Nutzerin zusätzliche Fahrten macht, einfach weil das Leihen so einfach und günstig ist? Oder dass ein Airbnb-Gastgeber seine Wohnung nicht oder zu einem höheren Preis vermietet und dadurch gesetzliche Regelungen wie Mietpreisbremsen aushebelt? Diskriminierung, gesteigerter Konsum, die Verknappung von Wohnraum – all dies sind unerwünschte Nebeneffekte des privaten Teilens über Onlineplattformen. „Airbnb oder Uber müssen stärker in die Verantwortung genommen werden, damit die Sharing Economy nachhaltiger wird“, dieses Fazit zieht Jonas Pentzien, Sharing-Experte am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW).

Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Jan Peuckert untersuchte er in der Studie „Kompromisse des Teilens – Nachhaltige Governance von Peer-to-Peer Sharing Praktiken.“ verschiedene Regulierungsansätze für Onlineplattformen und deren Wirkung anhand konkreter Fallbeispiele aus den Bereichen Mobilität, Wohnen und Gebrauchtwaren. Ein Ergebnis: Alternative Ansätze – beispielsweise die Selbstregulierung durch Bewertungssysteme oder eine Ko-Regulierung, bei der Staat und Organisationen zusammenarbeiten – können staatliche Regulierungen in einigen Aspekten sinnvoll ergänzen. So können sich Plattform-Betreiber/innen zusammenschließen und in Abstimmung mit staatlichen Behörden ökologische und soziale Mindeststandards festlegen. Gleichzeitig haben sie die Möglichkeit, Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle zu schaffen, die die Einhaltung dieser Standards effizient sicherstellen.

Von staatlicher Seite sollte generell dafür gesorgt werden, dass Sharing-Praktiken mit Nachhaltigkeitspotenzialen aktiv gefördert und Praktiken, die der Umwelt schaden unterbunden werden – beispielsweise wenn Dinge neu angeschafft werden, um sie dann auf Plattformen gewinnbringend zu verleihen. „Kommerzielle Praktiken des Teilens, die über eine gelegentliche Vermietung selbst genutzter Güter hinausgehen, sollten wie Gewerbe behandelt werden“, fordert Jonas Pentzien.

Die Autoren zeigen im Rahemn der Studie innovative Ansätze auf, um die großen Onlineplattformen wirkungsvoll zu regulieren, beispielsweise ein Gütesiegel für nachhaltiges Sharing oder eine aktive Nachhaltigkeitskommunikation der Sharing-Organisationen. Auch schlagen die Autoren vor, dass der Staat selbst als Anbieter in der Sharing Economy aktiv werden und nachhaltigere Sharing-Plattformen aufbauen kann. Erste Erfahrungen mit solchen Ansätzen werden derzeit in Paris und London mit einem von der Stadt organisierten Fahrrad-Verleih gesammelt.

Die Publikation

Peuckert, Jan; Pentzien, Jonas (2018): Kompromisse des Teilens – Nachhaltige Governance von Peer-to-Peer Sharing Praktiken. PeerSharing Arbeitsbericht 7.

Über das Projekt

Das Projekt „PeerSharing – Internetgestützte Geschäftsmodelle für gemeinschaftlichen Konsum als Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften“ beschäftigte sich mit innovativen Onlineplattformen, die den Verleih, Kauf oder Tausch von Produkten und Dienstleistungen von Privat zu Privat vermitteln. Die Forschernden untersuchten, wie onlinebasiertes Teilen von Privat zu Privat ökologisch wirkt und was Verbraucherinnen und Verbraucher motiviert oder hindert mitzumachen. Es wurde im Förderschwerpunkt Sozial-ökologische Forschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) gemeinsam mit dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) durchgeführt.