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22.11.2018

Unternehmen bewerten Weiterbildung als zentrales Thema der digitalen Transformation

Vorreiter im Bereich Digitalisierung investieren mehr in Weiterbildung als andere Betriebe

Die Erkenntnis, dass Aus- und Weiterbildung zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche digitale Transformation von Wirtschaft und Arbeit sind, ist in der Bevölkerung und bei den Unternehmen angekommen. Dies zeigen mehrere kürzlich vorgestellte Studien.

Laut einer aktuellen repräsentativen Umfrage, die der eco - Verband der Internetwirtschaft e.V. beim Meinungsforschungsinstitut Civey beauftragt hat, sind 85,4 Prozent aller Befragten der Meinung, dass sich Beschäftigte in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt deutlich mehr (46 %) oder eher mehr (39,4 %) fortbilden müssen als heute. Zunehmend werden dabei auch die positiven Effekte einer digitalisierten Arbeitswelt gesehen: Fast die Hälfte der Befragten gaben an, dass nach ihrer Meinung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch die Digitalisierung eher erleichtert (39 %) oder sogar deutlich erleichtert wird (10,5 %).

Auch die Unternehmen haben die Weiterbildung der Beschäftigten für die digitale Transformation im Blick. So ergab die Studie "Weiterbildung für die digitale Arbeitswelt" des TÜV-Verbands und des Digitalverbands Bitkom, bei der 504 Unternehmen mit mindestens 10 Mitarbeitern in Deutschland befragt wurden, dass 78 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass digitale Kompetenzen genauso wichtig werden wie fachliche oder soziale Kompetenzen. Weitere 18 Prozent halten digitale Kompetenzen in Zukunft sogar für die wichtigste Fähigkeit von Beschäftigten. Nahezu alle Befragten sind sich einig, dass lebenslanges Lernen im Zusammenhang mit der Digitalisierung immer wichtiger wird (99 Prozent). Bereits knapp zwei Drittel aller befragten Unternehmen (63 Prozent) bilden ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Digitalthemen weiter.

Allerdings führt jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) gar keine Weiterbildungen durch und über die Hälfte der Unternehmen verfügt über keine Strategie zur Vermittlung digitaler Kompetenzen. Zudem sind die Ressourcen begrenzt: Im Schnitt können Beschäftigte jährlich 2,3 Arbeitstage für Weiterbildungen aller Art nutzen. Dafür stehen jedem Mitarbeiter durchschnittlich 709 Euro zur Verfügung.

Zudem droht sich die Schere zwischen Unternehmen mit hohem und geringem Digitalisierungsgrad weiter zu öffnen. Der aktuelle Kurzbericht "Mit Investitionen in die Digitalisierung steigt auch die Weiterbildung" des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), für den 2.000 Unternehmen befragt wurden, zeigt, dass Vorreiter im Bereich der Digitalisierung stärker in Weiterbildung investieren als andere Betriebe. Zudem setzen diese Unternehmen eher auf moderne Lernformen wie das E-Learning und bilden vermehrt in anderen Berufen aus, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Betriebe mit hohem Digitalisierungsgrad legen zusätzlich bei der Ausbildung nicht nur mehr Wert auf die Vermittlung modernster IT-Kenntnisse, sondern auch auf die Förderung überfachlicher Fähigkeiten.

Die Studie hat darüber hinaus ergeben, dass derzeit bereits mehr als die Hälfte der deutschen Betriebe Arbeitswelt-4.0-Technologien nutzt. Für rund jeden fünften Betrieb sind diese Technologien sogar zentraler Bestandteil ihres Geschäftsmodells.

Auch die Bundesregierung hat sich des Themas angenommen und New Work und (Weiter-)Bildung in der digitalen Arbeitswelt als zentrale Punkte in ihre kürzlich vorgestellte Fachkräftestrategie aufgenommen. Ziel ist es, unter anderem eine neue Weiterbildungskultur zu etablieren. Um diese zu fördern, erarbeitet die Bundesregierung die "Nationale Weiterbildungsstrategie". Hierzu luden die Bundesministerien für Arbeit und Soziales sowie für Bildung und Forschung am 12. Novmeber Vertreter der Sozialpartner, Länder, Kammern und der Bundesagentur für Arbeit zu einer Auftaktsitzung nach Berlin ein.