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Digitalisierung und Polarisierung – Eine Literaturstudie zu den Auswirkungen des digitalen Wandels auf Sozialstruktur und Betriebe

Auswertung von 580 Studien, Prognosen und Konzeptpapieren

Herausgeber: 
Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung e.V.
Veröffentlichungsdatum: 
09.08.2019

In jüngerer Vergangenheit ist eine vitale Debatte um den Zusammenhang zwischen der Digitalisierung der Arbeit und der Polarisierung der Sozialstruktur entstanden. Dabei stehen sich Studien zu Makroentwicklungen sozialer Ungleichheit und Befunde zu Veränderungen betrieblicher Sozialstrukturen (Mikroebene) bisher unverbunden gegenüber. Die vorliegende Metastudie versucht daher, die Brücke zwischen diesen beiden Forschungsfeldern zu schlagen. Über eine umfassende Literaturauswertung kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die soziale Polarisierungsbewegung, die im Zeichen der fortschreitenden Digitalisierung in der Öffentlichkeit befürchtet wird, bereits seit Jahrzehnten real und ihre Fortsetzung mit oder ohne fortschreitende Digitalisierung wahrscheinlich ist. Von einer beschleunigten Digitalisierung könnten gleichwohl Impulse für eine weitere Verschärfung dieser Dynamik ausgehen.

Die Studie bietet einen umfassenden und breiten Überblick über die Forschungslandschaft der letzten Jahre, die sich mit den Veränderungen der Arbeitswelt durch die Digitalisierung befasst und ermöglicht jedem, der sich für das Thema interessiert, einen Überblick über aktuelle Debatten, Prognosen und empirische Erkenntnisse in dem Feld. Deutlich wird darin, dass Digitalisierung allein nicht ausschlaggebend für bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen ist und nicht zwangsläufig zu Polarisierungseffekten führen muss. Die entscheidende Vermittlungsinstanz scheint die betriebliche Ebene, die die sozialverträgliche Bearbeitung eines beschleunigten digitalen Wandels zu moderieren hätte. Zum anderen verdeutlicht die Studie, dass trotz einer Fülle an Publikationen zu dem Thema der wirklich empirisch fundierte Anteil überschaubar bleibt und diese Arbeiten oftmals eine Betrachtung von Pilot- und Leuchtturmprojekten darstellen, die nicht ohne Weiteres als exemplarisch für weitere Fälle gelten können. Der Bedarf einer fundierten, empirischen Beleuchtung des Themas bleibt damit weiterhin bestehen.