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11.09.2019

Wuppertal Institut: Weg in eine nachhaltige Digitalisierung ebnen

Neuer In Brief stellt Eckpunkte für Wissenschaft und Politik vor

Das Wuppertal Institut bringt sich mit dem neu gegründeten Forschungsbereich Digitale Transformation verstärkt in die politische Debatte zu den Wechselwirkungen von nachhaltiger Digitalisierung und industrieller Transformation ein. Es zeigt im jetzt erschienenen In Brief „Digitalisierung in die richtige Richtung lenken – Eckpunkte für Wissenschaft und Politik“, wie die digitale Transformation effektiv und nutzenbringend gestaltet werden kann. So ist etwa die Erfassung und Auswertung von Produkt- und Nutzungsdaten, Materialien und Prozessen die Basis innovativer Geschäftsmodelle zu Re-Use (Wiederverwendung), Re-Manufacturing (Wiederaufbereitung) und Recycling in der Circular Economy (Kreislaufwirtschaft). Recycling ist darauf angewiesen und funktioniert nur dann, wenn vollumfängliche Informationen zu Qualität und Verfügbarkeit von Recyclaten vorhanden sind.

Die Autoren des In Briefs, Dr. Stephan Ramesohl und Dr. Holger Berg, beide Co-Leiter des Forschungsbereichs Digitale Transformation in der Abteilung Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, betonen in ihrem Thesenpapier, dass die Digitalisierung ihr volles Nachhaltigkeits-Potenzial vor allem dort ausschöpfen kann, wo sie dazu beiträgt, notwendige Transformationsprozesse zu ermöglichen oder in ihrer Umsetzung zu unterstützen. Dies gilt für Veränderungen im Bereich der gegenwärtigen Lebens- und Konsumstile, wirtschaftliche Prozesse und Arbeitsweisen genauso wie für die Organisation von Energiesystemen, Städten und Verkehr. Die Dezentralisierung von Energiesystemen für die Versorgung mit erneuerbaren Energien ist beispielsweise ohne digitale Steuerung nicht denkbar.

Die Autoren verdeutlichen im In Brief, dass der Megatrend Digitalisierung nicht zwingend unkontrollierbar über die Wirtschaft und die Gesellschaft hereinbricht. Seine Wirkung hängt vom menschlichen Verhalten, von der Gestaltung neuer Prozessen in Organisationen, aber auch Anpassungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. Dieses sozio-kulturelle, organisatorische und institutionelle Umfeld der digitalen Innovationen könne und müsse im Sinne ökologischer Nachhaltigkeit beeinflusst werden. Politik sei hier aufgefordert, auf der Basis fundierter Analysen flankierend tätig zu werden. Die Autoren fordern daher, für die Digitalwirtschaft eine eigene sektorspezifische Politik zu entwickeln, wie sie für andere umweltrelevante Sektoren – etwa die Energiewirtschaft, Chemieindustrie oder Autoindustrie – bereits etabliert ist.