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30.01.2019

Wenn Maschinen entscheiden: automatisierte Entscheidungen in Europa

Studie zeigt große Unterschiede beim Umgang und der Beurteilung von automatisierter Entscheidungsfindung

Der Einsatz automatisierter Entscheidungen (automated decision-making, ADM) und Künstlicher Intelligenz nimmt Fahrt auf: In Finnland werden private E-Mails von Jobsuchenden analysiert, um Persönlichkeitsprofile zu erstellen, in Italien helfen Maschinen zu entscheiden, wer eine medizinische Behandlung erhält, in Dänemark sollen automatisierte Systeme dabei helfen, vernachlässigte Kinder zu identifizieren.

Wie Algorithmen angewendet und kontrolliert werden, unterscheidet sich allerdings stark. AlgorithmWatch und Bertelsmann Stiftung zeigen in ihrem Report "Automating Society –Taking Stock of Automated Decision-Making in the EU" erstmals Regulierungslücken auf und empfehlen eine engere europäische Koordination. Der Report liefert mehr als 60 konkrete Beispiele aus 12 Ländern, zudem eine Übersicht der relevanten Akteure und der politischen Debatte.

Die Unterschiede zeigen sich neben Fragen zur gesetzlichen Regulierung und Aufsicht auch in der finanziellen Förderung: Während in Spanien die Regierung über das Programm Activa Industria 4.0 gerade einmal vier Millionen Euro für 400 Unternehmen zur Verfügung stellt, fördert in Schweden eine einzige private Stiftung zwei Universitäten mit 100 Mio. Euro, um maschinelles Lernen und KI zu erforschen. Ralph Müller-Eiselt, Direktor des Programms Megatrends der Bertelsmann Stiftung, mahnt mit Bezug auf die Empfehlungen des Report, die Lücken zwischen den Mitgliedsstaaten der EU zu schließen:

"Europa muss mit einer Stimme sprechen, wenn es darum geht, Standards für automatisierte Entscheidungsfindung zu setzen."