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08.11.2019

„Digitaler Engel“: Assistenzsystem für leichtere Pflegearbeit

Leibniz-Institut für Arbeitsforschung untersucht den Nutzen digitaler Assistenzsysteme im Pflegealltag

Angespannte Patientinnen und Patienten, bedrückende Schicksale, hoher Zeitdruck – Pflegearbeit ist nicht nur körperlich, sondern auch psychisch und emotional besonders anstrengend. In Kooperation mit vier Projektpartnern wird das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) nun den Nutzen digitaler Assistenzsysteme im Pflegealltag erforschen. Der sogenannte „Digitale Engel“ soll die Arbeitskräfte unterstützen, um psychische Fehlbeanspruchung zu vermeiden. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Wer in der Pflege arbeitet, ist oft hohen Belastungen ausgesetzt – sowohl körperlich, als auch psychisch. Um solch hohen Beanspruchungen präventiv begegnen zu können, werden in den kommenden drei Jahren im Projekt „Digitaler Engel“ Assistenzsysteme für die Pflegenden entwickelt, getestet und bewertet. Ähnlich wie ein Assistenzsystem im Auto, das Müdigkeit erkennt, soll der digitale Engel Fehlbeanspruchung erkennen und durch geeignete individuelle Handlungsempfehlungen Pflegekräfte insbesondere bei der Interaktion mit den Patientinnen und Patienten gezielt unterstützen. So soll unter anderem getestet werden, inwiefern Datenbrillen geeignet sind, um pflegerelevante Informationen zu präsentieren, aber auch Auskunft über die eigene Fehlbeanspruchung und geeignete Gegenmaßnahmen zu geben. Eine Maßnahme wäre beispielsweise sich für eine Kurzpause in einen virtuellen Rückzugsraum zu begeben. Ziel des digitalen Engels ist es, die Arbeit zu erleichtern, die Belastung zu reduzieren und so Burn-out vorzubeugen.

Für die technische Umsetzung ist die Entwicklung drei wesentlicher Elemente geplant:

  1. Ein Portal, das alle Daten zusammenführt, dokumentiert und mittels Künstlicher Intelligenz individuelle Handlungsempfehlungen ableitet.
  2. Verschiedene körpernahe Sensoren, die direkt vor Ort Daten erfassen.
  3. Datenbrillen, die mit dem Portal kommunizieren und auf diese Weise individuelle Handlungsempfehlungen sowie allgemeine Informationen bspw. zum Behandlungsplan oder Patientenstatus geben.

Der digitale Engel wird anschließend vor Ort getestet und zusammen mit den Pflegekräften bewertet – schließlich muss das System anwenderfreundlich und für die Pflegearbeit von Nutzen sein. Die Erhebung am Pius-Hospital startet Anfang 2020. Fünf Kooperationspartner arbeiten gemeinsam am „Digitalen Engel“: das Fraunhofer IML (Projekt-Federführung), das Pius-Hospital, das Fraunhofer ISST, die Firma Ubimax und das IfADo. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über drei Jahre mit rund 2,4 Millionen Euro (IfADo ca. 945.000 Euro) gefördert.